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Ökologische Landwirtschaft

Was heißt überhaupt „Bio“?

Betriebe, die ökologische Landbaumethoden verwenden, verfolgen bestimmte Ziele: Sie versuchen, einen möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf zu erreichen. Der eigene Betrieb soll also als Futter- und Nährstoffgrundlage dienen. Dadurch soll die Bodenfruchtbarkeit erhalten und gemehrt werden. Außerdem werden auf ökologischen Betrieben die Tiere besonders artgerecht gehalten. 


Um diese Ziele umzusetzen, werden folgende Maßnahmen getroffen:
1

  • Kein Einsatz von chemisch-synthetischen Mitteln und Anbau wenig anfälliger Sorten in geeigneten Fruchtfolgen
  • Ausbringen von organisch gebundenen Stickstoff, hauptsächlich in Form von Mist und Mistkompost
  • Ausgeprägte Humuswirtschaft zur Pflege von der Bodenfruchtbarkeit
  • Abwechslungsreiche und weite Fruchtfolgen
  • Keine Verwendung von chemisch-synthetischen Wachstumsregulatoren
  • Begrenzter, an die Fläche gebundener Viehbesatz
  • Fütterung der Tiere möglichst mit hofeigenem Futter
  • Verzicht auf Antibiotika

Bio ist nicht gleich bio

Die Aufzählung stellt generelle Anforderungen an „Bio“ dar. Bio-Siegel lassen sich unterscheiden in das EU-Siegel und die Siegel der Bio-Verbände wie demeter, Naturland und Bioland. Die Vorgaben der Verbände sind stets strenger als die des EU-Siegels. Zum Beispiel müssen Betriebe, die sich von Anbauverbänden zertifizieren lassen, komplett ökologisch arbeiten. Es können nicht einzelne Betriebszweige (wie z. B. die Tierhaltung) ausgenommen werden.

Auch in der Tierhaltung gelten strengere Vorgaben. In von Verbänden zertifizierten Höfen dürfen dementsprechend deutlich weniger Tiere je Hektar gehalten werden als bei Höfen des EU-Siegels. Auch bei den Futtermitteln gibt es Unterschiede: Die EU-Verordnung erlaubt den Höfen einen größeren Anteil von konventionellen Futtermitteln zu füttern. Bei den Verbänden dürfen keine bzw. nur wenige konventionelle Futtermittel verwendet werden.2

1 BMEL (2021) Ökologischer Landbau in Deutschland. S. 4
2 https://www.bund.net/massentierhaltung/haltungskennzeichnung/bio-siegel/


Ökologische Landwirtschaft

Branchenentwicklung Bio

Eine wachsende Branche

Die Bedeutung der Bio-Branche wächst. Noch beträgt ihr Anteil an landwirtschaftlicher Fläche mit 1.698.764 Hektar lediglich 10,2 %1 und der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt liegt bei nur 6,4 %. Doch steigt die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln stetig. Im letzten Jahr gab es einen regelrechten Bio-Boom. Verbraucher*innen gaben 22 % mehr für Bio-Lebensmittel aus als im Jahr zuvor, sodass der Umsatz des Bio-Marktes auf fast 15 Mrd. Euro anstieg.2 Die Bundesregierung hat sich im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel gesetzt, den Anteil an ökologisch bewirtschafteten Flächen auf 20 % zu erhöhen.3 Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, müssen noch etwa 30.000 bis 40.000 Landwirt*innen auf ökologische Bewirtschaftung umstellen.4

Gleichzeitig sind Konsument*innen zunehmend bereit, für Bio-Lebensmittel auch einen höheren Preis zu zahlen.5 Die Intention hinter der Entscheidung bio zu kaufen, ist der Schutz der Umwelt, des Klimas und der Tiere (siehe Grafik unten). Die steigende Nachfrage nach bio kann bisher aber nur teilweise durch deutsche Öko-Produkte befriedigt werden. 2019/20 kamen daher schätzungsweise 15 % des Bio-Getreides, 28 % der Bio-Trinkmilch und 27 % des Bio-Schweinefleisches aus dem Ausland.6 Außerdem wachsen viele Bioprodukte in anderen Klimazonen und können nicht regional produziert werden. Damit wir diese trotzdem bei uns im Supermarkt finden, müssen sie importiert werden. Hier besteht also oft eine Diskrepanz zwischen Bio und regional.

Eine Trendwende lässt sich nicht zuletzt auch in den Supermärkten und Discountern feststellen. Diese setzen zunehmend auf einen starken Ausbau des Bio-Lebensmittelangebot, besonders mit hochwertigen Siegeln wie Demeter und Bioland.7

Dass sich die landwirtschaftliche Branche dementsprechend wandelt, wird auch anhand der wachsenden Zahl von Zertifizierungen deutlich: in den letzten fünf Jahren haben sich 8.000 Betriebe für eine ökologische Bewirtschaftung entschieden. Die Gesamtzahl der Bio-Betriebe liegt derzeit bei 35.4138 – damit wirtschaftet jeder achte Hof in Deutschland ökologisch.9

Doch bio ist nicht gleich bio. Für jedes Siegel gelten andere Standards. Wie sich die Siegel unterscheiden, erfahren Sie hier.

Der Wandel vollzieht sich zu langsam

Auch wenn diese Zahlen auf einen Ausbau der Bio-Branche schließen lassen, ist nicht von der Hand zu weisen, dass der ganzheitliche Wandel im Landwirtschaftssektor eher langsam voranschreitet. Auch Bio-Landwirt*innen sind trotz höherer Verbraucher*innenpreise vor ähnliche Herausforderungen gestellt wie ihre konventionellen Kolleg*innen: Klimawandel, eine konzentrierte Marktmacht, höhere Qualitätsanforderungen bei einer eher langsam wachsenden Nachfrage, stellt auch die Bio-Branche vor Herausforderungen.

1 BÖLW (2021) Branchenreport Ökologische Landwirtschaft: 10, 12
2 Ebd.: 24
3 BMEL (2019) Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau: 20
4 Ebd: 24
5 https://www.oekolandbau.de/handel/marketing/preis/preisaufschlaege-fuer-bioprodukte/
6 https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/oekologischer-landbau/zukunftsstrategie-oekologischer-landbau.html

7 Growth from Knowledge (2020): Deutscher Markt für Bio-Produkte wächst 2019 wieder deutlich: https://www.gfk.com/de/presse/deutscher-markt-fuer-bio-produkte-waechst-2019-wieder-deutlich; Zeit Online (2020): Bio-Markenartikel immer mehr gefragt:  https://www.zeit.de/news/2020-02/21/bio-markenartikel-immer-mehr-gefragt?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.ecosia.org%2F
8 BÖLW (2021): 10 f.
9 Ebd.: 12

Ökologische Landwirtschaft

Ist „100 Prozent bio“ eine Utopie?

Kann die flächenintensivere ökologische Landwirtschaft unsere Bevölkerung komplett ernähren? Hat die ökologische Landwirtschaft das Potenzial zum neuen Standard zu werden? Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau aus 2016 gibt Hoffnung: Es ist möglich, bis zum Jahr 2050 die Landwirtschaft so umzustellen, dass sie zum Erhalt und Aufbau unserer Lebensgrundlage beiträgt.

Gute Nachrichten

Ist es möglich im Jahr 2050 alle Einwohner*innen Deutschlands mit ökologischen und regionalen Lebensmitteln zu versorgen? Die Studie zeigt: ja! Es ist also noch nicht zu spät, mit einer Wende in der Landwirtschaft zu beginnen. Egal, ob 2050 76 oder 80 Mio. Menschen in Deutschland leben werden, ist – abgesehen von Lebensmitteln, die ein anderes Klima benötigen (wie Kaffee, Tee, Bananen) - kaum Lebensmittelimport nötig.1

Allerdings ist es nicht realistisch, dass bis 2050 alle landwirtschaftlichen Betriebe den strengen Bio-Anbau-Richtlinien entsprechen. Die Studie nimmt stattdessen eine schrittweise Annäherung der konventionellen Landwirtschaft an diese Bio-Anbau-Richtlinien an („Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft“).

Das bedeutet, dass die konventionelle Landwirtschaft ihre Flächen klimaschonend bewirtschaftet, die biologische Vielfalt auf ihren Agrarflächen deutlich erhöht, signifikant verringerte Schadstoffeinträge verursacht, die Nutztierhaltung verbessert und die Erzeugung von Futtermitteln und – falls erforderlich und möglich – von Biomasse gentechnik- und schadstofffrei geschieht.

Was Konsument*innen dazu beitragen müssen

Dafür braucht es allerdings auch Einsatz von Seiten der Bevölkerung: Zum einen muss der Fleischkonsum um mehr als die Hälfte reduziert werden. Die Studie geht in ihrem Szenario von einer „Großen Ernährungswende“ aus, was bedeutet, dass sich 8 Prozent der Bevölkerung vegan, 22 Prozent vegetarisch und 45 Prozent „flexitarisch“ ernähren würden. Nur 25 Prozent dürften sich in diesem Szenario fleischbetont ernähren.2 Außerdem müssen die Lebensmittelabfälle in Privathaushalten und Restaurants halbiert werden. Unter diesen Annahmen ist die Ökologisierung der Landwirtschaft möglich. Wenn keine oder nur eine kleinere Ernährungswende stattfindet, müssten biologische Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden, also fremde landwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um Deutschlands Bevölkerung biologisch zu ernähren.

Was wir aus der Studie lernen

Ja, die deutsche Landwirtschaft kann ökologisiert werden. Auch wenn dabei nicht flächendeckend der zertifizierte Ökolandbau Anwendung finden wird, könnten viele aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft durch die Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft gelöst werden. Zusätzlich müsste auch dem Trend der Exportorientierung des deutschen Fleischmarktes entgegengewirkt werden, um die deutsche Landwirtschaft flächendeckend zu ökologisieren.3 Aber das allein genügt nicht: Jede*r muss einen Anteil an der Erreichung dieses Szenarios leisten. Wir müssen weniger tierische Lebensmittel konsumieren und weniger Lebensmittel dürfen verschwendet werden.

Die ganze Studie finden Sie hier.

1 FiBL. Abschlussbericht Greenpeace „Ökologisierte Landwirtschaft in Deutschland – 2050“. Januar 2017
2 Ebd.
3 Ebd.