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Sinn

Erneuerbare Energien: Unter Strom – Die Energiewende wendet das Blatt

Der Zugang zu Energie ist für die meisten Menschen in der Europäischen Union selbstverständlich. Lange Zeit waren fossile Brennstoffe Energielieferant und Wachstumsmotor der Industriestaaten. Sie galten als unerlässlich für die Mehrung des Wohlstands. Seit der Finanzierung eines der ersten Windräder in Deutschland im Jahr 1987 durch die GLS Bank hat sich dies grundlegend geändert.

Durch die in 2020 neu finanzierten EE-Anlagen können zusätzlich 77.831 Drei-Personen Haushalte mit grünem Strom versorgt werden. Gleichzeitig vermeiden wir dadurch pro Jahr 178.630 Tonnen CO2-Äquivalente.

Kreditvolumen der Branche Erneuerbare Energien im Jahr 2020 :

1.309,902 Mio. Euro

(entspricht 31 Prozent vom Gesamt-Kreditvolumen der GLS Bank)

davon 65 Prozent an Photovoltaik- und 35 Prozent an Windenergie-Projekte.

Erfahren Sie hier mehr über die Auswertung unserer Wirkindikatoren für das Zukunftsbild Erneuerbare Energien für unser Geschäftsjahr 2020.

Energiewende ist Kulturwandel

Klimakrise, technologischer Fortschritt und politisch-regulatorische Anreize haben die erneuerbaren Energien als zukunftsweisende Lösung der Energieversorgung an die erste Stelle gesetzt. Die Energiewende ist in Deutschland beschlossene Sache. Der Atomausstieg wird bis Ende 2022, der Kohleausstieg bis spätestens 2038 vollzogen sein. Auch wenn letzterer unserer Meinung nach deutlich früher erfolgen könnte und über das „Wie“ heftig gestritten wird. Die Neugestaltung des Energiesektors hin zu einer dezentralen, bürgernahen, umweltverträglichen Versorgung ist vielerorts auf dem Weg. Aber geht das alles schnell genug?

2020 lag der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix bei 45,4 Prozent.1 Mindestens 65 Prozent sollen es laut Koalitionsvertrag bis Ende 2030 sein.

Immer lauter fordern weite Teilen der Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine schnellere Dekarbonisierung des Energiesektors. Bürger*innen haben in Eigeninitiative viele genossenschaftliche, dezentrale Windkraft- und Photovoltaikanlagen geschaffen. Eine Neugestaltung des Energiesektors hin zu einem dezentralen, bürgernahen Ökosystem ist somit vielerorts bereits Realität. Parallel dazu stellen große Energiekonzerne schrittweise ihre Geschäftsmodelle um und kooperieren mit bürgernahen Energieprojekten. Das stimmt hoffnungsvoll.


Der Neubau von Windkraftanlagen ist 2020 im Vergleich zu 2017 allerdings um 75 Prozent Prozent zurückgegangen.2

Gründe dafür sind die Abstandsregelungen, fehlende ausgewiesene Flächen für erneuerbare Energien Projekte sowie lange Genehmigungs- bzw. Klageverfahren. Um das 65 Prozent-Ziel bis 2030 zu erreichen, müssten beispielsweise Windkraftanlagen mit einer Leistung von 5.000 Megawatt Offshore und 4.000 Megawatt Onshore jährlich gebaut werden.3

Und in dem ganzen Hin und Her kommt als Wiedergänger der Diskurs um die „positive Klimawirkung“ der Atomenergie. Könnte nicht die vermeintlich „emissionsfreie“ Kernkraft schneller und günstiger dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu mindern, als der Neubau von umweltverträglicheren Kraftwerken? Der enorme Druck auf Politik und Gesellschaft führt nicht nur zu einem Umdenken, sondern auch zu einem Rückwärtsdenken.

Für und Wider, Hin und Her

Die Debatte um die Energiewende birgt politischen und sozial-ökologischen Zündstoff. Obwohl 2020 86 Prozent der Bevölkerung1 für einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien stimmten, organisierten sich gleichzeitig immer mehr Bürger*innen gegen Windkraftanlagen oder gegen neue Oberleitungstrassen, besonders in der Nähe von Wohngebieten. Windräder und teilweise auch Solaranlagen brauchen zudem viel Fläche. Sie verändern die (Kultur)landschaft tiefgreifend, die für viele auch einen kulturellen Wert besitzt. Die Herausforderung liegt darin, Kulturverständnis, Umweltschutz, Naturschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien zu vereinen und eine Annäherung an die Bürger*innen zu finden. Die so genannte Not-in-my-Backyard-Einstellung erschwert die Transformation der Energiewirtschaft hin zu einer nachhaltigen, dezentralen Energieversorgung. Hier braucht es Vermittlung und Akzeptanzschaffung.

Die Energiewende bedeutet mehr als einen Strukturwandel durch wegfallende Arbeitsplätze in den großen Kohleregionen Deutschlands. Die Abkehr von der Kohle bedeutet deshalb einen tiefgreifenden landschaftlichen und sozialen Kulturwandel.

Unser Zukunftsbild Erneuerbare Energien

Unter diesen Vorzeichen finanziert die GLS Bank seit 1987 Erneuerbare Energien. Wärme- und Stromversorgung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Unser Kernanliegen ist es, einen solidarischen und auf dieses Grundbedürfnis ausgerichteten Markt zu gestalten. Um Energiesysteme neu zu denken, brauchen wir nicht nur einen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir brauchen nachhaltige Qualitäten eines partizipativen Wirtschaftsmodells und innovative Technologien. Wir wollen den Energiemarkt solidarisch, partizipativ, dezentral gestalten. Wir wollen den schnellstmöglichen Ausstieg aus Kohle und Atomkraft. Für all das brauchen wir Mitstreiter*innen.

Für die Branche Erneuerbare Energien setzen wir auf das folgende Zukunftsbild:

Ausbau Erneuerbarer Energien

  • Kontinuierlicher Ausbau des Anteils der Erneuerbaren Energien in der Strom- und Wärmerzeugung.
  • Eine 100-prozentige Versorgung aus Erneuerbaren Energien ist umsetzbar und zukunftsfähig.

Für die Überprüfung unseres Beitrags zu diesem Gestaltungsanspruch haben wir zunächst folgende Wirkindikatoren hinterlegt: Durch die GLS Bank finanzierte Nennleistung installierter Anlagen bzw. spezifischer Ertrag, eingesparte CO2-Emissionen im Vergleich zum deutschen Energiemix, versorgte Drei-Personen Haushalte

Bewirkt:

In 2020 zusätzlich installierte Nennleistung Erneuerbare Energien: 241.517,3 kW. Davon entfallen 65 Prozent auf Photovoltaik und 35 Prozent auf Windenergie. Mit dem Zubau an Photovoltaik könnten umgerechnet 26.206 Einfamilienhäuser mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden.

Bürgernah

  • Aktive Beteiligung von Bürger*innen in der Entscheidungsfindung, Planung, Umsetzung und dem Betrieb von Erneuerbare-Energien-Anlagen.
  • Optionen zur finanziellen Beteiligung von Bürger*innen und Kommunen.
  • Demokratische Verwaltungsstrukturen nach dem Prinzip „ein Mitglied eine Stimme“

Wirkindikatoren: Anteil lokaler Bürger*innen an den Stimmrechtsverhältnissen der Projekt- bzw. Betreibergesellschaft, Beteiligungsanteile lokaler Bürger*innen, Gewerbesteuerzerlegung, Standort- und Flächenpachtverträge, Informations- und Mitbestimmungsveranstaltungen vor Ort, Einschätzung der Akzeptanz des Projektes vor Ort

Bewirkt:

Durchschnittlich zu 73 Prozent sind natürliche Personen – also Bürgerinnen und Bürger – an den Eigenmitteln unserer Erneuerbare Energien-Anlagen beteiligt.

Dezentral

  • Errichtung und Betrieb von Anlagen regenerativer Energien unter Einbindung kleinerer Akteure und Investor*innen 
  • zur Stärkung kommunaler Wertschöpfung und verbrauchernaher Strom- und Wärmeerzeugung. 
  • Elemente der Flexibilisierung und Speicherinfrastruktur.
  • Verwendung zentraler und dezentraler Stromvermarktungsansätze.

Wirkindikatoren: Anteile einzelner Vermarktungsmodelle und Eigenbedarf, Einbindung lokaler Speichersysteme

Bewirkt:

Durchschnittlicher Anteil Vermarktung Marktprämienmodell der jährlichen Erzeugung: 91,8 Prozent.

Akteursvielfalt

  • aktive Beteiligung von multiplen Akteuren an der Kapitalstruktur von Erneuerbare Energie Anlagen
  • sowie eine gesonderte Berücksichtigung von privaten und kommunalen Anspruchsgruppen.

Wirkindikatoren: Stimmrechtsverhältnisse unterteilt nach Anspruchsgruppen, Begrenzung der Stimmrechte je Anspruchsgruppe

Bewirkt:

Bei unseren Wind- und Photovoltaik-Projekten besitzen natürliche Personen – also Bürgerinnen und Bürger – durchschnittlich 68,6 Prozent der Stimmrechte.

Innovation & Effizienz

  • Leistungsoptimierung von Produktionseinheiten.
  • Entwicklung von innovativen Lösungen im Bereich Netzsteuerung und Speichertechnologie.
  • Verbraucherbildung zu Energienutzung.

Wirkindikatoren: Nennleistung je m2/ Anlage, Maßnahmen zur Förderung von Pilotprojekten, Forschung und/oder Aufklärungsarbeit.

Bewirkt:

1 Prozent der finanzierten Projekte nutzen gezielt Maßnahmen hinsichtlich Förderung Pilotprojekte, Forschung und Aufklärungsarbeit.


So denken wir gemeinsam die Zukunft, verstehen was es für die Umsetzung unserer Zukunftsbilder braucht und finden Wege unseren Gestaltungsanspruch zu stärken und gemeinschaftlich in die Tat umzusetzen. Gestalten Sie mit und geben Sie uns Feedback, für eine Zukunft, die wir wollen.

Hinweis

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Wirkungstransparenz im Kreditbereich der GLS Bank fest verankert. Im Jahr 2020 konnten wir bereits für über die Hälfte der Neukredite die sozial-ökologische Wirkung systematisch erfassen. Zugeschnitten auf das jeweilige Geschäftsmodell und die Branche, erfassen unsere Berater*innen gemeinsam mit den Firmenkund*innen die entsprechenden Wirkungsdaten. Dabei beruhen einige Wirkungs-Datenpunkte auf Schätzungen bzw. auf der Einschätzung der Firmenkundenberater*innen.