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Sinn

Soziales & Gesundheit: Die Würde des Menschen scheint antastbar

Wo eine körperliche, seelische oder geistige Beeinträchtigung oder einfach nur das Alter Menschen daran hindern, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sind wir besonders gefordert, Hürden abzubauen und allen ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Im Jahr 2020 haben wir zusätzlich 1.437 Pflegeplätze in Altenpflegeheimen und betreutem Wohnen ermöglicht sowie zusätzlich 600 Arbeitsplätze in Behinderteneinrichtungen für Erwachsene. Für ein möglichst selbstbestimmtes Leben in Würde, Teilhabe für alle, eine hohe Qualität der Betreuung sowie eine anregende Umgebung zum Wohlfühlen.

Erfahren Sie hier mehr über die Auswertung unserer Wirkindikatoren für das Zukunftsbild Soziales & Gesundheit für unser Geschäftsjahr 2020.

Kreditvolumen der Branche Soziales und Gesundheit im Jahr 2020:

678,701 Millionen Euro

(entspricht 16 Prozent vom Gesamt-Kreditvolumen der GLS Bank)

Bis zuletzt Mensch sein

Altern ist kein leichter Prozess. Damit auch Menschen mit Pflegebedarf die letzten Lebensphasen mit hoher Qualität gestalten können, braucht es eine menschliche Altenpflege, die soziale Isolation verhindert. Denn Altern ist ganz natürlich und muss mit Würde und Menschlichkeit begleitet werden. 80 Prozent der Deutschen1 haben Angst davor, im Alter pflegebedürftig zu werden und in ein Alters- oder Pflegeheim ziehen zu müssen. Diese Angst gründet auf der Wahrnehmung, dass der Einzug ins „Heim“ eine soziale Abgrenzung vom Leben „draußen“ bedeutet.

Im Jahr 2017 waren 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Jedes Jahr werden es mehr, denn wir werden immer älter. Der derzeitige Pflegenotstand wird sich in den kommenden Jahren verstärken. Der Mangel an Personal liegt nicht allein an der erhöhten Nachfrage. Der Beruf hat ein Imageproblem: Unregelmäßige Arbeitszeiten, ein zu geringes Gehalt, knappe Zeit mit den Pflegebedürftigen selbst und der Rechtfertigungsdruck. Attribute wie Fürsorge, Nähe, Verantwortung und Freude an einer sinnvollen Arbeit fallen zu oft unter den Tisch.

1 Pwc 2017 Bevölkerungsbefragung: Pflege in Deutschland

Es gibt viele großartige Beispiele für Pflegeeinrichtungen, die Zeit für Zuwendung und Fürsorge als Grundstein der täglichen Arbeit leben. Was wir brauchen ist eine flächendeckende Rückbesinnung auf das Wichtigste – den Menschen. Pflegeheime müssen die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Sicherstellung eines Lebens in Würde finden. Pfleger*innen und andere Beschäftigte kämpfen hierzu schon seit Jahren voller Engagement gegen Pflegenotstand und zu knappe Mittel.

Doch auch wer im Alter nicht pflegebedürftig ist, hat mit Barrieren zu kämpfen: in Gebäuden, im Verkehr, in kleingedruckten Formularen oder beim Zugang zu Finanzdienstleistungen und Versicherungen.

Kein Mensch kommt behindert auf die Welt!

Menschen mit Behinderung geht es ähnlich. Fehlende Aufzüge an Bahnsteigen oder keine Gebärdendolmetscher bei Nachrichtensendungen sind nur zwei Beispiele, wie Menschen an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindert werden. In Regelschulen mangelt es an ausgebildeten Lehrkräften und einer bedarfsgerechten Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen.

In Deutschland leben 7,8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung.1 Noch zu oft wird Behinderung mit Unterlegenheit gleichgesetzt. Seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008, die die Inklusion von Menschen mit Behinderung festschreibt, hat sich in Deutschland zwar vieles zum Positiven gewandelt. Aber es ist noch viel zu tun.

Es fehlt nicht an Orten zur Begegnung, sondern an Orten, die für jede*n gleichermaßen zugänglich sind. Was zählt sind Gemeinschaft und Gleichheit, nicht Unterschiede. Inklusion ist gelebte Vielfalt und uneingeschränkte Teilhabe, Offenheit für das Andere, Neugier auf das Unbekannte, Liebe für das Menschsein. Damit diese Gedanken tatsächlich Eingang in unser Leben finden, brauchen wir starke Netzwerke, den Mut zur Begegnung und vor allem den unermüdlichen Einsatz, den schon heute so viele Menschen im Bereich Soziales und Gesundheit leisten. Stehen wir ihnen bei, indem wir zusammenstehen!

Unser Zukunftsbild Gesundheit und Soziales

Vielfalt bereichert, ob beim Wohnen, Arbeiten, Lernen, in der Medizin oder in der Begegnung. Jeder Mensch kann etwas geben, jeder Mensch etwas empfangen, jenseits jeglicher Norm, sei es Zuneigung, Kreativität, Lebensfreude, Wissen, Ideen und vieles mehr. Jeder Mensch hat das Recht, an allem, was die Gesellschaft bietet, uneingeschränkt teilzunehmen, egal, ob er oder sie eine vermeintliche Einschränkung hat. Eine zugewandte Betreuung und eine gute medizinische Behandlung ermöglichen Menschen, die Unterstützung benötigen, ihr Leben so gut wie möglich (wieder) selbstbestimmt führen zu können. Dazu gehört Pflege und Fürsorge für den ganzen Menschen und nicht nur des Körpers. Eine entsprechende Ausstattung und nachhaltige Gestaltung von Sozial- und Gesundheitseinrichtungen tragen dazu bei. Eine Vielfalt an Methoden ermöglicht es, verschiedensten Menschen gerecht zu werden.

Unser Zukunftsbilder Gesundheit und Soziales baut auf folgende Pfeiler auf:

Inklusion und Diversität

  • Uneingeschränkte Teilnahme von Menschen an allen gesellschaftlichen Aktivitäten von Bildung und Wissenschaft über Wirtschaft und Arbeit bis Gesellschaft und Kultur.
  • In einer inklusiven Welt sind alle Menschen offen für andere Ideen und Vielfalt wird als positives Gut einer pluralistischen Gesellschaft verstanden.

Für die Überprüfung unseres Beitrags zu diesem Geltungsanspruch haben wir zunächst folgende Wirkindikatoren festgelegt: Durch die GLS Bank finanzierte Pflegeplätze oder Wohnungen im Betreuten Wohnen, Maßnahmen zur sozialen und kulturellen Teilhabe der Bewohner*innen an Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Pflegeeinrichtung

Bewirkt:

Aus Sicht unserer Firmenkundenbetreuer*innen haben 97,5 Prozent der Einrichtungen in der Branche Soziales & Gesundheit gezielte Maßnahmen zur sozialen und kulturellen Teilhabe der Bewohner*innen an Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Pflegeeinrichtung etabliert.

Methodenvielfalt

  • Angebot verschiedener Konzepte, Methoden und Perspektiven zur Behandlung, Pflege und Betreuung mit dem Ziel des Erhalts, der Förderung oder Wiedergewinnung der menschlichen Würde, der individuellen Persönlichkeit und einer möglichst selbständigen Lebensführung

Wirkindikatoren: Beratungsangebote für Angehörige und Maßnahmen der Angebots- und Methodenvielfalt zur Stärkung der individuellen Wahlmöglichkeit

Bewirkt:

70,7 Prozent der Altenpflegeheime und Behinderteneinrichtungen werden hinsichtlich der Methodenvielfalt als hervorragend oder sehr gut eingeschätzt. Darunter verstehen wir unter anderem Aspekte wie das aktive Angebot von Komplementärmedizin, Bewegungs- und Klangtherapien, etc.

Umgebungsqualität

  • Zielgruppen- und bedarfsgerechte Bereitstellung von räumlichen Möglichkeiten und Ausstattungsmerkmalen zur Unterstützung der Behandlung, Pflege und Betreuung

Wirkindikatoren: Einschätzung der Umgebungsqualitäten (z.B. bodentiefe Fenster, Demenzgarten, Außenanlagen, Zuschnitt der Räumlichkeiten), Maßnahmen zur positiven Raumgestaltung

Bewirkt:

Unsere Firmenkundenbetreuer*innen schätzen die Umgebungsqualität in den finanzierten Altenpflegeheimen und Behinderteneinrichtungen zu 75,6 Prozent als hervorragend oder sehr gut ein. Dazu gehören unter anderem Aspekte wie die Qualität der Außenanlagen, die Verfügbarkeit von Demenzgärten, bodentiefe Fenster, Zuschnitt der Räume und der Gesamtanlage, die Qualität des Quartiers bzw. der Lage, etc.

Selbstbestimmung und Leben in Würde

  • Bestmögliche Gewährleistung von unabhängigen und individuellen Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten in allen Lebensfragen aller Bewohner*innen/Nutzer*innen einer Einrichtung, auch dann, wenn ihre seelischen, körperlichen und kommunikativen Fähigkeiten eingeschränkt sind

Wirkindikatoren: Maßnahmen zur aktiven, selbstbestimmten Gestaltung des Tagesablaufs und der Pflege, Kooperation mit ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen zur Begleitung von Bewohner*innen im Tagesablauf, Beratungsangebote für Angehörige

Bewirkt:

Derzeit bieten alle von uns finanzierten Altenpflegeheime, Einrichtungen des Betreuten Wohnens und Behinderteneinrichtungen spezielle Maßnahmen zur aktiven, selbstbestimmten Gestaltung des Tagesablaufs und der Pflege (auch über Verwandte und Familie) aktiv an, um Selbstbestimmung und Leben in Würde zu fördern.

Betreuungsqualität

  • Zielgruppen- und bedarfsgerechte Umsetzung von strukturellen, fachlichen und zwischenmenschlichen Maßnahmen zum Erhalt, der Förderung oder Wiedergewinnung der menschlichen Würde, der individuellen Persönlichkeit, einer möglichst selbständigen Lebensführung, der Teilnahme am sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben sowie der geistigen und seelischen Fähigkeiten

Wirkindikatoren: Eindruck des Pflegekonzepts, der Qualifikation der Mitarbeiter*innen und der Atmosphäre, Betreuungsschlüssel, Mitarbeiter*innenfluktuation, Krankheitsquote, Weiterbildungsausgaben je Vollzeitkraft

Bewirkt:

Unsere Firmenkundenbetreuer*innen schätzen die Betreuungsqualität in den finanzierten Altenpflegeheimen und Behinderteneinrichtungen zu 73,2 Prozent als hervorragend oder sehr gut ein. Dies umfasst unter anderem den Gesamteindruck, das Pflegekonzept, die Qualifikation der Mitarbeiter*innen, die Atmosphäre, etc.

Hinweis

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Wirkungstransparenz im Kreditbereich der GLS Bank fest verankert. Im Jahr 2020 konnten wir bereits für über die Hälfte der Neukredite die sozial-ökologische Wirkung systematisch erfassen. Zugeschnitten auf das jeweilige Geschäftsmodell und die Branche, erfassen unsere Berater*innen gemeinsam mit den Firmenkund*innen die entsprechenden Wirkungsdaten. Dabei beruhen einige Wirkungs-Datenpunkte auf Schätzungen bzw. auf der Einschätzung der Firmenkundenberater*innen.