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Wirkungstransparenz

Erneuerbare Energien

Anspruch, Zielkonflikte & kritische Selbstreflektion – Mit einer ganzheitlichen Perspektive den Energiemarkt verändern

Mit unserem Zukunftsbild für unsere Branche Erneuerbare Energien beschreiben wir Ideen für eine neue Aufstellung des Energiemarkts in Deutschland. 100 Prozent Erneuerbaren Energien ist umsetzbar und zukunftsfähig, nicht zuletzt, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Einer Konzentration hin zu oligopolistischen Strukturen in der Energieerzeugung und -verteilung wollen wir durch eine Stärkung von Akteursvielfalt, also der Einbindung unterschiedlicher Teilnehmer*innen des Energiemarkts entgegenwirken. Der Energieerzeugung durch Großkraftwerke und zentralisierte Strukturen stellen wir die Idee einer dezentralen kleinteiligeren Energiewirtschaft gegenüber, in der Konsumenten zu Prosumenten werden und gemeinsam an der Solidarisierung des Energiesystems arbeiten können. Im Idealfall wird dabei eine lokale Energieerzeugung direkt im Zusammenhang mit lokalen Energiebedarfen gedacht. Wir wollen auf Bürgernähe hinwirken und damit unsere tiefe Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass Energieversorgung als menschliches Grundbedürfnis den Menschen gehört und von ihnen verantwortet und gestaltet wird. Nur unter partizipativer, demokratischer und monetärer Einbindung der Bürger*innen vor Ort, kann die Energiewende als gemeinschaftliches Projekt gelingen und regionale Wertschöpfung begünstigen. 

Den bisherigen Problemen hinsichtlich der Effizienz von Anlagen sowie der Speicherung von erzeugter Energie wollen wir durch die aktive Finanzierung von Innovation & Effizienz in allen Teilen der sozial-ökologischen Energiewende begegnen. Unter Innovation & Effizienz verstehen wir dabei u.a. lokale Speichersysteme, die Forschung zu neuen Formen der Sektorenkopplung sowie die verstärkte Incentivierung von PV-Aufdachanlagen. Mit der Weisheit der vielen und dem Engagement jedes Einzelnen schaffen wir das Energiesystem der Zukunft.

Jedes Zukunftsbild einer Branche besteht aus fünf Qualitäten, die wir als zentrale Hebel des sozial-ökologischen Wandels innerhalb der Branche identifiziert haben. Jede einzelne Qualität greift mediale, wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Aspekte auf und eröffnet in Verbindung mit den übrigen Qualitäten eine Diskussion für eine gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft.

Neue Wege bestreiten und dabei selbstkritisch bleiben

Nachfolgend legen wir dar, wie wir ganz konkret auf die Qualitäten 100 Prozent Erneuerbare Energien, Bürgernähe sowie Akteursvielfalt einzahlen – und wo etwaige Hürden und Verbesserungspotentiale bestehen.

Zunächst lässt sich festhalten, dass wir effektiv den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland ermöglichen. Allein im Jahr 2020 konnte durch Kredite der GLS Bank eine zusätzliche Nennleistung von 241.517,3 kW bei den Erneuerbaren Energien realisiert werden. Dies entspricht ca. der elektrischen Nennleistung des Gastkraftwerks Bremen-Mittelsbüren. Der Ausbau der elektrischen Nennleistung durch die Kredite der GLS Bank gliedert sich zu 65 Prozent auf Photovoltaik und zu 35 Prozent auf Windenergie. In Relation zum gesamten Zubau der Erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2020 ergibt sich folgendes Bild: Insgesamt wurden 2020 in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 4,89 GW installiert (Fraunhofer ISE Energy Charts 2020). Davon stellen GLS-finanzierte Anlagen mit 0,157 GW folglich ca. 3,2 Prozent. Analog verhält es sich im Bereich der Windenergie: Vom Gesamtausbau der Windkraft an Land in Deutschland von 1,47 GW (Fraunhofer ISE Energy Charts 2020) entfallen ca. 5,7 Prozent auf Windräder, die von der GLS Bank finanziert wurden (absolut: 0,084 GW). Zur besseren Einordnung dieser Größenordnungen helfen die nachfolgenden Vergleiche: Allein mit dem Zubau an Photovoltaik könnten umgerechnet 26.206 Einfamilienhäuser mit einer Photovoltaikanlage à 6 kWp ausgestattet werden. Durch die im Jahr 2020 neu finanzierten Erneuerbare Energien Anlagen können zusätzlich 77.831 Drei-Personen Haushalte mit grünem Strom versorgt werden.

Damit leisten wir einen erkennbaren Beitrag zur Förderung der Energiewende in Deutschland – und wirken gleichzeitig aktiv dem Klimawandel entgegen. Die Gesamtwetterlage beim Ausbau der Erneuerbaren Energien gestaltet sich jedoch weiterhin trübe. Die einst international bestaunte Energiewende im Industrieland Deutschland ist ins Stocken geraten, obwohl allen Beteiligten klar sein sollte, dass wir in den höchsten Gang schalten müssen, um die verbindlichen Klimaschutzziele zu erreichen. Insbesondere bei der Windkraft an Land herrscht zunehmend Flaute bei der Dynamik des Zubaus.

Auf unserem Weg zu 100 Prozent Erneuerbare Energien begegnen uns immer wieder Stolpersteine, Hürden und Zielkonflikte. So bilden zum Beispiel die wechselnden rechtlichen und politischen Leitplanken (u.a. die jeweilige Ausgestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG und länderspezifische Abstandregelungen wie z.B. die so genannte 10-H-Regel bei der Windkraft in Bayern und weitere Abstandsregeln in den einzelnen Bundesländern) einen wesentlichen Rahmen für Möglichkeitsräume, in denen unser Zukunftsbild gelingen muss. Komplizierte Ausschreibungsverfahren, eine Priorisierung der ökonomischen Kostenperspektive oder mangelnde Partizipationsmöglichkeiten lokaler Interessensgemeinschaften erschweren die Umsetzung. Dies konterkariert auch unser Ziel einer bürgernahen Energiewendemit dem wir mehr verbinden als nur Maßnahmen für Transparenz, partizipative Entscheidungsfindung und faire Planung. Es geht um Beteiligung an der Kapitalstruktur, ausgewogene Stimmrechte sowie die Akzeptanz des Erneuerbare Energien Projekts durch die lokale Bevölkerung. Eine entsprechende Ausgestaltung der Gewerbesteuerveranlagung, die sicherstellt, dass Steuereinnahmen insbesondere an den Standort der Erneuerbaren Energien fließen, rundet im besten Fall das von uns finanzierte Projekt ab. 

Während Energiegenossenschaften lange Zeit eine treibende Kraft beim Ausbau der Erneuerbaren Energien darstellten und dabei Bürger*innen die Möglichkeiten einer aktiven Mitgestaltung der Energiewende gaben, stellen die Modalitäten der aktuellen Ausschreibungsverfahren viele dieser vergleichsweise kleineren Akteure vor Schwierigkeiten im Wettbewerb mit größeren Akteuren. Neben dem gestiegenen bürokratischen Aufwand erfordern die Ausschreibungen auch ein deutliches Mehr an Knowhow, welches für die oftmals ehrenamtlich tätigen Akteure der Genossenschaften nur schwer zu leisten ist. So geht der Anteil Erneuerbarer Energien in Bürgerhand schrittweise zurück und sank 2019 auf 40,4 Prozent. Laut aktueller Studie des trend:research Instituts erhöhte sich hingegen der Marktanteil von großen Energieversorgungsunternehmen, Fonds/Banken und Gewerbetreibenden. Dabei sollten regionale Bürgerbeteiligung, Teilhabe und positive wirtschaftliche Effekte vor Ort zentraler Bestandteil einer breit getragenen und fairen Energiewende sein. Wir sind überzeugt: Nur so kann die Akzeptanz der Erneuerbaren Energien langfristig sichergestellt werden. 

Wie tragen die von uns finanzierten Projekte zu einer bürgernahen Energiewende und Akteursvielfalt bei? Ein Blick auf die wesentlichen Merkmale einer bürgernahen Energiewende zeigt: auch bei unseren Kund*innen ergeben sich in der Breite Schwierigkeiten, Aspekte der Bürgernähe proaktiv umzusetzen. Deutlich wird dies z.B. im Hinblick auf die regionale Verankerung der Unternehmen in unserer Branche Erneuerbare Energien: 19,7 Prozent der Unternehmen weisen explizit eine regionale Verankerung auf. Insbesondere hinsichtlich der finanziellen und demokratischen Beteiligung der Bürger*innen vor Ort sehen wir noch Verbesserungspotentiale. Der Anteil der Stimmrechte lokaler Bürger lag mit durchschnittlich 11,3 Prozent auf einem niedrigen Niveau und auch die durchschnittliche Teilhabe lokaler Bürger*innen an den Eigenmitteln von Wind- und PV-Anlagen lag mit 13,8 Prozent nur auf einem ausbaufähigen Stand. Positiv erwähnen lässt sich, dass zumindest bei ca. 11 Prozent der Photovoltaikprojekte lokale Bürger*innen zu 100 Prozent an den finanziellen Eigenmitteln beteiligt sind.

Wenn wir jedoch den Blickwinkel erweitern und uns die Beteiligungsstrukturen und Stimmrechtsverteilungen bei unseren Erneuerbare Energien Projekten noch detaillierter anschauen, ergibt sich ein anderes Bild: Auf natürliche Personen (also Bürger*innen) entfallen bei den in 2020 neu finanzierten Projekten anteilsmäßig 78 Prozent der eingebrachten Eigenmitteln. Auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entfallen 20 Prozent - institutionelle Großanleger kommen hingegen auf lediglich 2 Prozent. Dabei lohnt sich eine Gegenüberstellung von Photovoltaik und Windkraft: Während im Bereich Photovoltaik bei knapp 72 Prozent der Vorhaben natürliche Personen 100 Prozent der Eigenmittel stellen, werden bei unseren Windkraftprojekten bei lediglich jedem zehnten Vorhaben die Eigenmittel zu 100 Prozent von Bürger*innen bereitgestellt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Bürger*innen sind substanziell an den Eigenmitteln der Erneuerbare Energien Projekte beteiligt. Bei der Beteiligung der Bürger*innen vor Ort besteht jedoch Aufholbedarf, insbesondere bei Windkraftvorhaben.


Beteiligungsanteile an den Eigenmitteln der Zielprojektgesellschaft
bei zusätzlichen Wind- und PV-Vorhaben im Jahr 2020

Auch aus der Nutzung der bereitgestellten elektrischen Energie lassen sich Rückschlüsse auf unseren Beitrag zu einer bürgernahen Energiewende ableiten. Ca. 3 Prozent der erwarteten jährlichen Stromerzeugung werden für die Eigenversorgung vor Ort genutzt. Auf die regionale Direktvermarktung entfallen 3,8 Prozent und auf Mieterstrommodelle immerhin 10 Prozent. 

Den Löwenanteil stellt klar die Einspeisung gemäß EEG über das Marktprämienmodell mit knapp 83 Prozent dar. Dies bedeutet eine Direktvermarktung des Stroms an der Strombörse. Um mehr (lokale) Bürger*innen an der Energiewende partizipieren zu lassen, benötigen wir eine Stärkung der regionalen Direktvermarktung, der Eigenversorgung sowie von Mieterstrommodellen. Hier zeigen die von uns finanzierten EE-Projekte noch Ausbaupotentiale.

Verteilung der Nutzung der jährlichen Stromerzeugung bei
zusätzlichen Wind- und PV-Vorhaben im Jahr 2020

Zukunft denken, verstehen und stärken – Mit einem gemeinsamen Ziel für die Zukunft einstehen

Wie können wir diesem Trend begegnen und akteursvielfältigen, dezentralen, bürgernahen Energieprojekten wieder zu einem zentralen Stellenwert in der Energiewende verhelfen? Neben einer aktiven Positionierung zur Veränderung der Rahmenbedingungen wollen wir gezielt auf jene Qualitäten schauen, die es in der Begleitung unserer Kund*innen zu stärken gilt, um das gewünschte Ziel zu erreichen. In der politischen Debatte gilt es, dafür dauerhaft für die Verbesserung des EEG einzustehen, zum Beispiel über eine verpflichtende und angemessene finanzielle Beteiligung der Kommunen, Direktvermarktungsmodelle über Bürgerstromtarife, attraktive Eigenverbrauchsmöglichkeiten, den Abbau von Restriktionen für Windenergieanlagen, einen Verzicht auf jedwede Entschädigungszahlungen für alte Kohlemeiler sowie die verpflichtende Installation von Photovoltaikanlagen bei gewerblichen Flächenversiegelungen. Gemeinsam haben wir zahlreiche Möglichkeiten, für unsere Ideen der Energiewende zu streiten. Mit Für und Wider, Zielkonflikten und Fehltritten, denn das gehört dazu, aber ohne die Ziele aus den Augen zu verlieren, in Anbetracht von Klimawandel, Ungerechtigkeiten und rein ökonomischen Paradigmen.

Gemeinsam mit unseren Kund*innen können wir zudem Projekte realisieren, die neue Wege gehen und ein besonderes Augenmerk auf unser Zukunftsbild legen, diskutieren, versuchen, Erfolge feiern und Verfehlungen aufarbeiten. Gleichzeitig merken wir, dass insbesondere der Aspekt der Bürger*innenbeteiligung und die Wertschöpfung für die Gemeinde zwar wesentliche Ziele für uns darstellen, in der Praxis jedoch bei vielen Projekten große Herausforderungen mit sich bringen. Hinzu kommt, dass wir als GLS Bank die benötigten Finanzierungen bereitstellen, aber dadurch nicht automatisch in den jeweiligen Planungsprozess des Projektes involviert sind. Zwar können wir mit unserem Zukunftsbild und unseren Wirkindikatoren wichtige Impulse für (zukünftige) Erneuerbare Energien Projekte beisteuern – in der Praxis merken wir jedoch, dass unser Einfluss auf die Planungsprozesse limitiert ist. Unsere Erfahrung zeigt: Ein tiefergehender Einstieg mit unseren Kund*innen zur Erhebung und Diskussion der Wirkung lässt sich primär bei größeren Projekten realisieren. Diese Diskrepanz zwischen unserem eigenen Anspruch und dem Marktgeschehen im Bereich der Erneuerbaren Energien nehmen wir bewusst wahr und versuchen – wo immer möglich und sinnvoll – Impulse zur Erreichung unseres Zukunftsbildes einzubringen. Einen wirksamen Ansatz, um mehr Bürger*innen am Erfolg der Erneuerbare Energien Projekte zu beteiligen, stellen u.a. auch die Crowd-Finanzierungen der GLS Crowd dar.

Wussten Sie schon?

Die von uns neu finanzierten Erneuerbare Energien-Anlagen vermeiden pro Jahr ca. 178.630 Tonnen CO2-Äquivalente. Zum Vergleich: Diese Menge an CO2-Äquivalenten würde ein Mittelklasseauto emittieren, wenn es ca. 2.000 Mal von der Erde zum Mond und wieder zurückfahren würde.

Im Jahr 2020 haben wir mehr als 31 neue Windkraftanlagen in Deutschland finanziert. Damit könnte ein Turm gebaut werden, der fast 14 Mal so hoch wäre wie der Eiffelturm in Paris.

Der Median der Leistungskapazität der von uns finanzierten PV-Anlagen im Jahr 2020 lag bei 355 kWp und entspricht somit eher einer mittelgroßen PV-Anlage. Insgesamt bilden mittelgroße PV-Anlagen (100 – 750 kWp) mit knapp 69 Prozent den Großteil der von uns finanzierten Anlagen. Große und sehr große PV-Anlagen ab 750 kWp stellten 2020 ca. 14 Prozent unserer Finanzierungen dar. Damit leisten wir vor allem einen Beitrag, die noch reichlich vorhandenen Dachflächen vorrangig zu nutzen.


Hinweis

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Wirkungstransparenz im Kreditbereich der GLS Bank fest verankert. Im Jahr 2020 konnten wir bereits für über die Hälfte der Neukredite die sozial-ökologische Wirkung systematisch erfassen. Zugeschnitten auf das jeweilige Geschäftsmodell und die Branche, erfassen unsere Berater*innen gemeinsam mit den Firmenkund*innen die entsprechenden Wirkungsdaten. Dabei beruhen einige Wirkungs-Datenpunkte auf Schätzungen bzw. auf der Einschätzung der Firmenkundenberater*innen.