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Stabilisierende Einflüsse

Biodiversität im Bankbetrieb

Durch unsere tägliche Bankarbeit haben wir keine starken Auswirkungen auf die Biodiversität: Unsere Arbeitsstätten befinden sich ausschließlich in städtischen Ballungsgebieten, sodass für unsere Büroräume keine freien Flächen versiegelt oder Lebensräume zerstört werden mussten. Unser Verwaltungsgebäude in Bochum haben wir 2005 als Altbestand gekauft und unter Berücksichtigung hoher ökologischer Standards aufwändig saniert. Ein geteerter Parkplatz im Innenhof mit einer Größe von über 400 m² wurde entfernt. Die Fläche haben wir stattdessen entsiegelt und eine Gartenanlage mit Rasen und Teichanlage geschaffen.

Um die Auswirkungen der Gemeinschaftsverpflegung unserer Mitarbeitenden auf die Umwelt möglichst gering zu halten, verzichten wir seit jeher auf Fleisch aus konventioneller, industrieller Produktion und verwenden ausschließlich biologische und vorwiegend regionale und saisonale Lebensmittel. Mehr dazu können Sie auch in unserem Kapitel zur Landwirtschaft lesen.

Gleichzeitig achten wir auch auf die kleinen Dinge: Wir verwenden feste Seife, wassersparende Sanitäreinrichtungen und achten bei der Büroausstattung auf Nachhaltigkeitszertifikate.

Dazu haben wir uns im Jahr 2022 entsprechende Nachhaltigkeitsziele gesetzt:

  • S6-O11: Fortführung der nachhaltigen Beschaffung und Abdeckung von 100% der relevanten Lieferant*innen in 2022 
  • S6-O10: Verzicht auf Fleisch aus konventioneller, industrieller Produktion und Nutzung von biologischen, saisonalen und regional bzw. fair produzierten Lebensmitteln für Verpflegung und Bewirtung, fortlaufend

Klimaschutz ist Artenschutz

Wer die Pariser Klimaziele ernst nimmt, trägt auch zum Schutz der von der Klimakrise gefährdeten Tiere und Pflanzen bei, die zurzeit unter den Folgen der Dürren, Hochwasser und der Hitzebelastung leiden und in rapidem Tempo aussterben. Alle unsere Maßnahmen, um die Klimakrise zu bekämpfen, tragen demnach auch zum Schutz und Erhalt der Biodiversität bei.

Unser Nachhaltigkeitsbericht ist ein Schritt hin zu einer Integration verschiedener Berichtsformate und -standards. Daher enthält diese Seite bereits Inhalte aus

  • der Gemeinwohlökonomie (GWÖ)-Matrix:
    GWÖ A1.1, GWÖ A3.1, GWÖ A3.2, GWÖ B3.1, GWÖ D3.1, GWÖ D3.2
  • unserem GRI Datenbericht:
    GRI 304-3, GRI 304-4, GRI 308-1, GRI 308-2

GLS Bank Zentrale in Bochum

Biodiversität im Kerngeschäft

Die Biodiversität begreifen wir als wesentlichen Parameter unseres sozial-ökologischen Ansatzes. Bei der Kreditvergabe, den Eigenanlagen und im Wertpapiergeschäft berücksichtigen wir unterschiedliche Aspekte zur Biodiversität in Form von Positiv- wie auch Ausschlusskriterien.

Dabei ist uns bewusst, dass wirtschaftliche Aktivitäten mit einem Verlust dieser Vielfalt einhergehen. Der Neubau eines GLS Betriebskindergartens nimmt beispielsweise Fläche in Anspruch und versiegelt diese. Dem kann durch spezifische Aktivitäten entgegengewirkt werden, wie z. B. durch eine ökologische Gestaltung des Umfelds oder ökologische Ausgleichsmaßnahmen.

In Europa ist die durchschnittliche Populationsdichte beobachteter Arten bereits auf ein Drittel im Vergleich zu unbelasteten Ökosystemen gesunken. Global auf 2/3. Tendenz absteigend.1


1 Vgl. OECD, Environmental Outlook to 2050, 2012

Um die Auswirkungen unseres Kerngeschäfts, also die Kreditvergabe, besser verstehen zu können, haben wir im vergangenen Geschäftsjahr unser Kreditportfolio qualitativ auf destabilisierende (schwächende) und stabilisierende (stärkende) Einflüsse hin untersucht. Bisher sind wir noch nicht dazu im Stande, eine quantitative Aussage zu unserer Wirkung auf die Biodiversität zu treffen. Es gibt jedoch spannende Ansätze mit denen wir uns näher beschäftigen. Die Analyse hat u.a. ergeben, dass unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze bereits ein wirkungsvolles Werkzeug sind, um stabilisierend auf Biodiversität und Ökosysteme zu wirken.

Wir schließen durch unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze Projekte mit massiver negativer Auswirkung auf Umwelt und Biodiversität aus. Damit verringern wir mögliche negative Auswirkungen durch Kreditvergaben wesentlich.

Wir finanzieren in der Branche Ernährung ausschließlich ökologische Landwirtschaftsbetriebe, welche keine chemisch-synthetischen Pestizide oder künstlichen Düngemittel einsetzen. Zudem schließen wir generell Finanzierungen der Massentierhaltung aus. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl von Projekten, die das Ziel verfolgen, Lebensräume zu schützen oder wiederherzustellen. Dazu erfahren Sie mehr unter dem Punkt "gezielte Finanzierung ökologischer Landwirtschaft".

Über unsere Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördern wir seit 20 Jahren gemeinnützige Projekte, insbesondere die ökologische Saatgutzüchtung, mit jährlich über 2 Mio. Euro. Die Züchtung einer Sorte dauert bis zu 10 Jahren. Die ökologischen Alternativen vermeiden jedoch die gängige Hybridzüchtung oder gentechnische Verfahren, die meist einhergehen mit der Behandlung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Schauen Sie sich dazu auch unser Video zu "Woher kommt das Saatgut für den Öko-Landbau?" an. 

Der Weltbiodiversitätsrat hat fünf direkte Haupttreiber für den Verlust der biologischen Vielfalt identifiziert. Diese sind in abnehmender Relevanz:

  1. Die Land-, Meeres- und Süßwasserökosystemnutzung durch den Menschen, insbesondere Veränderungen in der Nutzung durch z.B. Neuerschließung von Gebieten durch Entwaldung. Von Menschen genutzte Gebiete stehen dem natürlichen Ökosystem nicht mehr bzw. nur noch eingeschränkt zur Verfügung und wirken sich u.a. auf die Lebensräume, Fortpflanzung und Migrationsbewegung von Arten aus.
  2. Die direkte Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch z.B. Jagd, Fischerei, Sammeln von Wildkräutern, Wasserverbrauch, Sandabbau usw.
  3. Der Klimawandel ist dafür verantwortlich, dass sich lang etablierte Ökosysteme mit ihren Arten nicht den neuen Gegebenheiten (z.B. Trockenheit, Temperaturen, Überschwemmungen, Waldbrände) anpassen können.
  4. Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser durch Emissionen und Abfälle. Vor allem neuartige Substanzen aus der chemisch-technischen Industrie haben massive Auswirkungen auf Arten. So können z.B. giftige Farbstoffe aus der Textilfärbung die Wasserqualität nachhaltig schädigen und die Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit der Arten gefährden. Insbesondere der Kunststoffabfall ist global in jeder Höhenschicht nachweisbar. So findet sich Mikroplastik in Gletschern und auf dem Meeresgrund gleichermaßen, Flüsse und Meere befördern riesige Plastikansammlungen und Küstengebiete müssen regelmäßig von unserem Zivilisationsabfällen aufwendig befreit werden.
  5. Invasive gebietsfremde Arten, insbesondere die Einführung durch den Menschen aber auch natürliche Migration. Gebietsfremde Arten können massiv das Gleichgewicht von Ökosystemen stören, da sich die bestehenden Arten evolutionär nicht an die neuen Arten anpassen konnten. So können neue Predatoren, wie z.B. Katzen und Ratten in Neuseeland, die bodenbrütenden Vogelarten ausrotten oder invasive Pflanzen die Nährstoffe heimischen Arten wegnehmen.

Im Folgenden beschreiben wir die ökologisch relevanten Ausschlusskriterien und Positivkriterien.

Durch den Ausschluss von Atomenergie wirken wir vornehmlich stabilisierend auf den Treiber Verschmutzung. Vor allem im Zuge einer möglichen Havarie, wie bei der Nuklearkatastrophe von Fukushima, schädigt Atomkraft die Biosphäre. Zudem wird durch den Ausschluss vom Abbau von Uran einer Umnutzung von Land entgegengewirkt. Die GLS Bank wirkt also stabilisierend auf Landnutzung.

Die Energiegewinnung aus Kohle ist aus ökologischer Sicht in mehrfacher Hinsicht kritisch. So wirken wir stabilisierend auf die Landnutzung und die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen (sehr hoher Wasserverbrauch) durch den Ausschluss vom Abbau von Kohle. Außerdem ist das Ausschlusskriterium ein bedeutender Beitrag zur Stabilisierung der globalen Erderwärmung (Treibhausgas-Emissionen) bzw. des Klimawandels sowie der Verschmutzung der Atmosphäre durch Nebenprodukte aus der Verbrennung.

Der Ausschluss von der Produktion sowie Verwendung von Bioziden und Pestiziden wirkt stabilisierend auf den Treiber Verschmutzung und hat auch Einfluss auf die Intensität der Landnutzung.

Gentechnisch modifizierte Arten sind als invasive gebietsfremde Arten zu werten. Insgesamt ist die Reduzierung auf wenige Arten mit sehr geringer genetischer Vielfalt in der konventionellen Landwirtschaft als äußerst kritisch einzustufen. Durch die geringe Vielfalt sind die Arten nicht dazu im Stande, sich an wechselnde Gegebenheiten wie den Klimawandel oder Schädlinge anzupassen. Die Pflanzen werden nicht nur durch den Einsatz von Gentechnik, sondern auch durch gezielte Züchtung in ihrer genetischen Vielfalt eingeschränkt. Deshalb wirkt die GLS Bank ebenfalls durch ihr Engagement in der Saatgutforschung stabilisierend auf die Biodiversität.


Chlororganische Produkte wirken negativ auf die Treiber Verschmutzung (sowohl durch Emissionen in der Produktion als auch durch die Entsorgung) sowie die Landnutzung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen (Abbau Rohstoffe, Produktionsprozess). Durch den Ausschluss wirken wir stabilisierend auf die drei Treiber.

Die Massentierhaltung wirkt destabilisierend auf alle fünf Hauptreiber. Dabei muss die gesamte Lieferkette betrachtet werden. Je nach Quelle werden 60-70% der globalen Produktion von Feldfrüchten ausschließlich als Futtermittel verwendet. Insgesamt machen Weide- und Futtermittelanbauflächen 90% der landwirtschaftlichen Flächen aus (= 34% der gesamten Erdoberfläche). Die Folge: Riesige Ökosysteme, z.B. im Amazonasgebiet, werden umgewandelt durch z.B. Rodung und unter Einsatz von Bioziden, Pestiziden und Düngemittel Monokulturen, wie Soja und Mais, angebaut. Diese radikale Umnutzung von Land zahlt negativ auf Landnutzung ein. Oft werden auch Flüsse umgeleitet oder Feuchtgebiete trockengelegt, also findet eine Umnutzung von Süßwasserökosystemen statt. Zudem wird Wasser zur Bewässerung benötigt, also natürliche Ressourcen ausgebeutet. Die eingesetzten Chemikalien, Mineralien und Gülle sind als Verschmutzung zu werten. Obendrein emittieren Landwirtschaftsflächen mehr Treibhausgase als sie absorbieren. Schätzungen zufolge1 emittiert das Amazonasgebiet aufgrund von Entwaldung heute bereits ca. dreimal so viel CO2 wie es absorbiert. Hinzu kommen die Treibhausgasemissionen in Form von Methan und Stickstoffdioxid, welche pro Hektar 1.984 kg CO2e im Jahr verursachen. Die Auswirkungen auf den Klimawandel sind enorm. Außerdem wird durch den Anbau das Eindringen invasiver gebietsfremder Arten gefördert.

Die Logistik (Containerschiffe für Futtermitteltransport, LKW für Futtermittel- und Tiertransport) wirkt zudem destabilisierend auf Land- und Meeresnutzung (Straßenbau- und Containerschifffahrt), Klimawandel und Verschmutzung. Die Tierhaltung benötigt wiederum Fläche (Landnutzung), enorme Mengen an Wasser (Ausbeutung natürlicher Ressourcen), fördert Verschmutzung durch die produzierte Gülle, welche oftmals mit Antibiotika versetzt ist und emittiert CO2 durch die Beheizung der Ställe sowie Methangas (Klimawandel). Je nach Schätzung ist die Massentierhaltung für 14,5% bis hin zu 51% (gesamte Lieferkette) der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Bei der aktuellen Entwicklung würden allein die fünf größten Fleischproduzenten der Welt 2050 über 80% der erlaubten Treibhausgase zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels emittiert haben.

Da wir als GLS Bank sowohl die Haltung als auch die Verarbeitung von Tieren bzw. tierischen Produkten aus der Massentierhaltung ausschließen, leisten wir einen bedeutenden Beitrag in der Stabilisierung der fünf Haupttreiber.

Durch den Ausschluss kontroverser Umweltpraktiken können wir z.B. der Entwaldung für den Anbau von Futtermitteln, der Tierhaltung oder Palmölproduktion entgegenwirken, also stabilisierend auf Landnutzung wirken. Zudem wirken wir mit diesem Kriterium der übermäßigen Ausbeutung natürlicher Ressourcen, dem Klimawandel und der Verschmutzung entgegen.

Unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze definieren aber nicht nur Ausschlusskriterien, sondern ebenfalls Positivkriterien, also wie Unternehmen gestaltet sein sollten, um positiv wirken zu können. Auch diese haben eine stabilisierende Wirkung auf Biodiversität bzw. die fünf Haupttreiber. Im Gegensatz zu den Ausschlusskriterien, welche konsequent negative Branchen und Unternehmensführung aus dem Anlage- und Kreditportfolio raushält, müssen Unternehmen nicht alle Positivkriterien erfüllen, um aufgenommen zu werden. Sie sind somit eher als eine Art Kriterienkatalog und Grundlage für ein Gesprächsangebot an Firmenkund*innen zu verstehen.

In unserem Abschnitt zu destabilisierenden Einflüssen der GLS Bank auf die Biodiversität haben wir Bezug auf die destabilisierende Wirkung innerhalb der zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsfelder (ausgenommen Mobilität) genommen, zeitgleich aber auch die stabilisierenden Einflüsse erläutert.

Ergänzend dazu erläutern wir hier die stabilisierende Wirkung durch eine nachhaltige Unternehmensführung, für welche wir verschiedene Positivkriterien definiert haben.

Grundsätzlich wirken die meisten Aspekte der nachhaltigen Unternehmensführung auf alle fünf Haupttreiber stabilisierend. Durch eine nachhaltig ausgerichtete Unternehmenspolitik finden (soziale und) ökologische Aspekte nicht nur eine besondere interne Aufmerksamkeit. Aufgrund des Stakeholder-Dialogs und der Transparenz fördert eine solche Ausrichtung ebenfalls den Austausch mit Externen.

Zu einer nachhaltigen Unternehmensführung zählen auch die ressourcenschonende Betriebsführung und Produktverantwortung.

Stabilisierend in Bezug auf Land- und Meeresnutzung wirkt dabei die längere Lebensdauer und Reparaturfähigkeit von Produkten. Denn so werden weniger Ressourcen verbraucht, also ebenfalls weniger neue Abbaugebiete für seltene Rohstoffe usw. erschlossen. Zeitgleich verringert eine verlängerte Nutzungsdauer den Logistikaufwand, was den Übersee-Containerschiffverkehr reduzieren kann. Gleich mehrere Kriterien wurden definiert, welche sich stabilisierend auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen auswirken. Eng verbunden damit sind reduzierte CO2-Emissionen, was wiederum positiv auf den Klimawandel einzahlt und eine verringerte Verschmutzung, sowohl hinsichtlich von Emissionen als auch Feststoffabfällen.

1 Gatti, L.V., Basso, L.S., Miller, J.B. et al. (2021): Amazonia as a carbon source linked to deforestation and climate change. Nature 595, 388–393 (2021).

Gezielte Finanzierung ökologischer Landwirtschaft

Wir finanzieren seit unserer Gründung 1974 gezielt den Ausbau ökologischer Landwirtschaft. Denn wir sind der Meinung, dass es nur mit der ökologischen Landwirtschaft gelingen kann, unsere Lebensgrundlangen wie Boden und Wasser zu schützen.

Foto: Stephan Münnich

In unserem Zukunftsbild für die Branche Ernährung haben wir daher definiert, nach welchem Zielbild wir mit unseren Finanzierungen streben: Unser Zukunftsbild für die Landwirtschaft besteht aus den Qualitäten regionale Wertschöpfung, faire Partnerschaften, gesunde Ernährung und Innovation – und natürlich einer Bio-Zertifizierung für alle landwirtschaftlichen Höfe.

Wie wirken wir?

Im Jahr 2021 hat die GLS Bank 336 Mio. Euro (+3,4 %) in Naturkost und ökologische Landwirtschaft investiert. Die 2021 finanzierten Höfe bewirtschaften über 15.488 Hektar Ackerfläche und planen zu 72 % eine Flächenausdehnung innerhalb der nächsten 1 – 3 Jahre. Regionale Wertschöpfung steht dabei für alle im Vordergrund – zwei von fünf der zertifizierten Bio-Betriebe versteht darunter sogar einen Umkreis von maximal 70 Kilometern. Die hohe Bedeutung des Ökolandbaus belegen Studien regelmäßig. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zitiert 2019 die bis dato umfassendste Metastudie zur Artenvielfalt: „Im Mittel lagen die Artenzahlen der Ackerflora bei Öko-Bewirtschaftung um 95 %, bei den Feldvögeln um 35 % höher“ als bei konventionellem Anbau.

Über unsere Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördern wir seit 20 Jahren gemeinnützige Projekte, insbesondere die ökologische Saatgutzüchtung, mit jährlich über 2 Millionen Euro. Die Züchtung einer Sorte dauert bis zu 10 Jahre. Die ökologischen Alternativen vermeiden jedoch die gängige Hybridzüchtung oder gentechnische Verfahren, die meist einhergehen mit der Behandlung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Ökologische Landwirtschaft bedeutet nicht nur einen umweltverträglicheren Anbau von Lebensmitteln und Rohstoffen, sondern auch die Erhaltung und Pflege von Kulturlandschaften. Durch die Beweidung von Wiesen werden diese vor einer Verwaldung geschützt und bleiben somit Heimat von verschiedenen Insekten, Vögeln und Wildtieren. Auch birgt eine Beweidung mit ausreichend Platz für die Weidetiere den Vorteil, dass dem Boden zusätzlicher und vor allem natürlicher Dünger zukommt und die Huftritte der Tiere den Boden lockern sowie das Pflanzenwachstum anregen.

Ausschluss konventioneller Landwirtschaft aus dem Kreditgeschäft

Wir finanzieren zu 0 Prozent konventionelle Landwirtschaft.

Der Einsatz von chemisch-synthetischen Spritz- und Düngemitteln ist die Hauptursache von Bodenunfruchtbarkeit und dem Artensterben im ländlichen Raum. Wir schließen Investitionen in die konventionelle Landwirtschaft, die mit Pestiziden und künstlichen Düngemitteln arbeitet, durch unsere strengen Anlage- und Finanzierungsgrundsätze aus.

True Cost Accounting

Lebensmittel verdienen einen Wert und keinen Preis.

Die GLS Bank setzt sich dafür ein, Umweltschäden in der Preisbildung von Produkten einzubeziehen.

Gemeinsam mit der GLS Treuhand hat die GLS Bank bereits 2017 bei Soil & More eine Gesamtkostenanalyse durchgeführt, die die Erfolgsrechnung von drei biologisch wirtschaftenden Höfen und konventionellen Vergleichsbetrieben um die Faktoren CO2-Emissionen, CO2-Bindung, Wasserverbrauch und -verschmutzung, Erosion, Bodenaufbau, Biodiversität, Energieverbräuche, Transport der Waren zu Verbraucher*innen, Bildungsarbeit und Gesundheit ergänzt. Im Ergebnis erwirtschaften die Biobetriebe durchschnittlich einen positiven Nettonutzen in Höhe von rund 720 Euro pro Hektar, wohingegen die konventionellen Vergleichsbetriebe auf Nettokosten in Höhe von durchschnittlich 3.670 Euro pro Hektar kommen. Die bewertete Differenz liegt somit bei fast 4.400 Euro pro Hektar. Aus einer gesamtgesellschaftlichen Kostenperspektive wäre demnach kaum ein konventioneller Landwirtschaftsbetrieb rentabel. Anhand dieser Ergebnisse setzen wir uns dafür ein, dass Ansätze wie der von True Cost Accounting zum Standard werden, damit die gesamtgesellschaftliche Wirkung von Unternehmen unter Einbezug sämtlicher Kosten bemessen und ihre Performance auch unter Berücksichtigung von sozial-ökologischen Faktoren bewertet wird. Nur unter dieser ganzheitlichen Perspektive können externe Kosten wie CO2-Emissionen, Wasserverschmutzung, Bodenerosion und vieles mehr eingepreist werden, sodass Unternehmen diese negativen Einflüsse in ihren Entscheidungen berücksichtigen. Hierzu sind wir enge Partner mit der True Cost Accounting Initiative und entwickeln den vielversprechenden Ansatz weiter. Mehr dazu können Sie in unserem Kapitel zu Landwirtschaft lesen.

Politischer Wandel

Dazu haben wir uns im Jahr 2022 entsprechende Nachhaltigkeitsziele gesetzt:

  • S10-O1: Sensibilisierung und Netzwerk- sowie politische Arbeit zu einer Abgabe auf Spritz- und Düngemittel mit dem Fokus zur Entwicklung konkreter Umsetzungsvorschläge in 2022 

  • S10-O2: Fortführung der gesellschaftspolitischen Aktivitäten für die Einführung eines gerechten CO2-Preises, fortlaufend 

Die intensive konventionelle Landwirtschaft führt zu einer massiven Verarmung der Lebensräume, der biologischen Vielfalt und der Bodenfruchtbarkeit. Umweltschäden durch Spritz- und Düngemittel müssen ihren Preis bekommen. Politisch setzt sich die GLS Bank seit 2017 für eine Abgabe auf Spritz- und Düngemittel ein. 2020 haben wir u.a. Greenpeace, den WWF, die DUH und Bioland als Partner*innen für ein gemeinsames Bündnis gewinnen können, das mit uns eine Neuauflage der Studie beim Helmholtz-Institut beauftragt hat. Diese untersucht auf Grundlage des bewährten dänischen Modells, welche Lenkungswirkung mit unterschiedlichen Modellen einhergeht und wie eine Abgabe optimalerweise ausgestaltet werden sollte. Die Ergebnisse wurden Anfang 2021 vorgestellt und sollen Impulse für nationale und europäische Reformen geben.

Gleichzeitig wurde mit den Ergebnissen ein öffentliches Bewusstsein geschaffen, um eine Abgabe auf Spritz- und Düngemittel auf die politische Agenda zu bringen.


Weiterhin engagiert sich die GLS Bank aktiv an zivilgesellschaftlichen Protesten, die einen bewussten Umgang mit unserem Planeten fordern. Wir machen mobil und sind aktiv dabei auf den Klimastreiks von Fridays-For-Future und unterstützen die Demonstration „Wir haben es satt!“ in Berlin. Hier hat sich die GLS Bank immer wieder für eine Agrarwende starkgemacht: gegen das Bauernsterben in ländlichen Gebieten, gegen die Grundwasserverschmutzung, gegen das Artensterben und generell für gesunde, biologische Lebensmittel sowie eine nachhaltige, bodenschonende Landwirtschaft.

Die GLS Bank ist Mitglied in 12 verschiedenen Initiativen für die Agrarwende. Mit dem Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft (seit 2020 sogar im Vorstand) unterstützen wir die Kampagne „Ackergifte? Nein danke!“ und die empirische Forschung über die Verbreitung von Pestiziden. Hier hat die GLS Bank 2020 als Teil des Bündnisses für enkeltaugliche Landwirtschaft die erste Studie ihrer Art initiiert, den Pestizidgehalt mit Passivsammlern zu erfassen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Es gibt nahezu keinen Ort in Deutschland, an dem keine Pestizide nachgewiesen werden konnten. Die Annahme, dass Pestizide nur lokal am Ausbringungsort wirken, ist somit hinfällig. Der Pestizidgehalt in Luft und Wasser ist deutlich höher als bislang angenommen.