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Stärkende Einflüsse

Innovationen

Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse

Das Wesentliche im Fokus

Um die Themen zu identifizieren, die für unsere Anspruchsgruppen von Interesse und für das Unternehmen von besonderer Relevanz sind, haben wir das gemacht, was im Fachjargon Wesentlichkeitsanalyse heißt. Die unterschiedlichen Vorgaben an eine solche Wesentlichkeitsanalyse nach GRI und CSR-RUG haben wir kombiniert. Die Ergebnisse bestimmen, in welchem Umfang und mit welcher Intensität sich die GLS Bank mit einem Thema befasst — sowohl bei unserer internen Nachhaltigkeitssteuerung als auch bei unserer Berichterstattung. Hiermit schaffen wir den Sprung von einer Berichterstattung nach internationalen Standards hin zu einer relevanten Berichterstattung.

Die Wesentlichkeitsanalyse erfolgt in drei zentralen Schritten, die besonders darauf abzielen, das Wesentliche für alle Anspruchsgruppen zu identifizieren. Wir richten uns im ersten Schritt also an Mitglieder, Kund*innen, Mitarbeiter*innen, den Vorstand, führen Interviews in der GLS Bank, bedienen uns der Social Media Plattformen, nehmen Themen von Ratingagenturen und Berichtsstandards auf und betreiben eine Umfeldanalyse.

Danach erfolgt eine Beurteilung der gesammelten Themen nach drei Kriterien:

  1. Kund*innen, Mitglieder, Interessierte: Wie wichtig ist das Thema für unsere Stakeholder?
  2. Vorstand: Welchen Einfluss hat das Thema auf Geschäftsergebnis, -erfolg und -lage?
  3. Abteilung Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit: Welche ökonomische, ökologische und soziale Wirkung hat die GLS Bank auf das Thema?

Im letzten Schritt werden die wesentlichsten Themen in einer Top-20-Liste zusammengetragen. Sie werden uns in den nächsten zwei bis drei Jahren begleiten, dann kommt die nächste Wesentlichkeitsanalyse.

Dazu haben wir uns im Jahr 2021 folgende Nachhaltigkeitsziele gesetzt:
  • Ganzheitliche Wahrnehmung der zukünftigen Kund*innenbedürfnisse (fortlaufend)

  • Steigerung der Kund*innenzufriedenheit (fortlaufend)

Innovationen

Effizienztheorie des Finanzmarktes

Nur allzu gut kennen wir alle die Beschwörung des Marktes, der alles regeln wird und effiziente Entscheidungen trifft. Immer wieder hat sich diese Vorstellung als nicht haltbar erwiesen und es wurden Regeln definiert, die Versäumnisse und Fehlentwicklungen der Marktkräfte besser eindämmen sollten, um sie dann im weiteren Verlauf wieder aufzuweichen. Eine nachhaltige Entwicklung jedoch braucht unter heutigen Bedingungen dringlich den Finanzmarkt und umgekehrt. Wir haben eine Theorie über den Finanzmarkt als Hebel des Wandels formuliert.

Erfahren Sie hier mehr darüber.

Wir verstehen uns als Systemgestalterin – des Finanzsektors und der Gesellschaft.

Ein Kompass — die Effizienztheorie des Finanzmarkts — dem System den Spiegel vorhalten

Weltweit diskutieren Experten, Politiker, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsakteure über die exponierte Rolle des Finanzmarkts als Katalysator für eine nachhaltige Entwicklung. Die Mobilisierung von marktwirtschaftlichen Kapitalströmen ist unabdingbar für die Finanzierung der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der lokalen, nationalen und internationalen Gemeinschaften. Dabei geht diese Vorstellung einher mit einer Wahrnehmung, die Finanzmärkten unterstellt, dass diese Märkte funktionell-effizient Kapitalgeber und Kapitalnehmer zusammenbringen.

Für diese effiziente Funktion geht die Theorie davon aus, dass Märkte idealtypisch funktionieren und sich der Markt so selbst regelt und die richtigen Entscheidungen entstehen. Da sich diese Vorstellung in der Vergangenheit wiederholt nicht bewahrheitet, sondern eher in das Gegenteil verkehrt hat, gilt es zu fragen, wie idealtypische Vorstellungen des Finanzmarktes in der Praxis realisiert werden können. Dabei müssen Imperative einer sozial-ökologischen Transformation unserer Gesellschaft in den Vordergrund gerückt und reine Wachstums- sowie Profitdogmen überwunden werden.

Im Folgenden finden Sie die Darstellung und Beschreibung einer abgewandelten Effizienztheorie des Finanzmarktes. Wir sind der Überzeugung, dass wir unter Anwendung der hier beschriebenen Grundlogiken einen entscheidenden Beitrag zu einem echten Wandel leisten können.

Das traditionelle Modell des Finanzmarkts

Traditionell geht die Finanzmarkttheorie davon aus, dass sich Kapitalgeber, also Menschen und Institutionen, die Kapital zur Verfügung haben, und Kapitalnehmer, also Menschen und Institutionen, die Kapital benötigen, auf dem Finanzmarkt zusammenfinden. Grundvoraussetzung hierfür ist die sogenannte Informationseffizienz. Dies bedeutet, dass alle Marktteilnehmer an einer symmetrischen Verteilung, Qualität, Tiefe und Verfügbarkeit von Informationen partizipieren und sich Kapitalnehmer und Kapitalgeber somit mündig zusammenfinden können.

Auf Basis dieser Informationen können Akteure unter der Maxime einer Allokationseffizienz, die für sie jeweils gewünschten Allokationsmaximen erreichen, traditionell streben die Akteure dabei nach einer Balance aus Rendite, Liquidität und Risiko. Der Markt soll Kapital also dort allokieren, wo es benötigt wird, und dem Kapitalgeber und Kapitalnehmer eine Befriedigung der individuellen Interessen erlaubt. Die übergeordnete Funktion des Marktes ist dabei die Herstellung einer gesamtgesellschaftlichen Stabilisierungseffizienz, also die Gewährleistung von Beschäftigung, Wachstum und Infrastrukturaufbau als wesentliche Grundzüge einer Marktwirtschaft.

Diese Stabilisierungseffizienzen geben den Rahmen für die Bedingungen des Marktes und werden in demokratischen Systemen auch implizit demokratisch beschlossen, indem Bürger*innen ihre Wahlstimme einer oder mehreren Parteien geben, die sich der Erreichung unterschiedlicher wirtschaftlicher Stabilisierungseffizienzen verschreiben. Dieses idealtypische Zusammenspiel aus Akteuren, Informations-, Allokations- und Stabilisierungseffizienz kann auf Basis der Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte und gar seit Gründung der Finanzmärkte stark angezweifelt und kritisiert werden, da zum Beispiel eine asymmetrische Kapitalkraft, Informationsverteilung und -güte, irrationale Verhaltensweisen, das Dogma des Profits und nicht zuletzt sozial-ökologisch nicht nachhaltige Stabilisierungseffizienzen zu einer dysfunktionalen Entwicklung des Finanzmarktes beitragen, mit den uns bekannten Folgen für Finanzstabilität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Leitplanken und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Von Finance zu Sustainable Finance? – System Change Stories

Nutzt man jedoch die Idee der idealtypischen Funktionsweise des Finanzmarktes, um dessen positives Potenzial für die menschliche Entwicklung unter sozial-ökologischen Maximen realisierbar zu machen, ergeben sich vielversprechende Ansätze, dem System die eigene Dysfunktionalität vor Augen zu führen, mittels Marktmechanismen sozial-ökologische Argumente zu definieren und insgesamt die Frage nach der Nutzenstiftung vergangener Marktideologien für eine menschen- und umweltzentrierte Wirtschaftsweise zu stellen. Nehmen wir also an, wir vereinbaren eine sozial-ökologische Maxime der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stabilisierungseffizienz, so müssten derzeit verfügbare Informationen zu den Nachhaltigkeitswirkungen von Kapitalnehmer und Kapitalgeber deutlich erweitert und allen Marktteilnehmern symmetrisch zugänglich gemacht werden. Die Marktteilnehmer müssten dazu eine Mündigkeit zu den Herausforderungen, Bedingungen und Werten einer nachhaltigen Entwicklung aufbauen, diese für sich selbst definieren und selbst argumentieren. Aufseiten der Allokationseffizienz ergäbe sich die Notwendigkeit, den Dreiklang aus Rendite, Liquidität und Risiko um die Dimension Nachhaltigkeit zu erweitern bzw. diese zu einem integralen Bestandteil des Dreiklangs zu machen da ohne deren Berücksichtigung diese Allokationseffizienzen nicht fundiert und ganzheitlich erfasst und realisiert werden können (siehe hierzu zum Beispiel das BaFin-Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken.

Es ergäbe sich also potenziell ein Kreislauf, der die Unzulänglichkeiten und Dysfunktionalitäten der bisherigen Funktionsweise von Finanzmärkten offenlegt und deren gewünschte Grundfunktion als stabilisierendes Element des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Vordergrund rückt. Dadurch können konkrete Handlungsbedarfe abgeleitet werden, die der sozial-ökologischen Nachhaltigkeit zu einer echten Verankerung in wirtschaftlichen Prozessen verhelfen. Der Finanzmarkt könnte somit treibende Kraft für einen systemischen Wandel werden, insofern wir dessen negativen Tendenzen bestmöglich durch die Realisierung von Informations-, Allokations- und Stabilisierungseffizienz entgegenwirken.

Ein letztes wichtiges Element der oben ausgeführten Überlegungen betrifft die Interpretationsschemata, mittels derer Informationen gefiltert und gedeutet und dann für Allokationsentscheidungen nutzbar gemacht werden. Denn interpretiert man Nachhaltigkeitsinformationen zum Beispiel nur wirtschaftlich oder nur normativ-ethisch oder versucht gar, eine sozial-ökologische Rendite auszuweisen, konnotiert dies immer die Potenzialentfaltung von Allokationsentscheidungen und somit auch die Erreichung von Stabilisierungseffizienzen. Nehmen wir zum Beispiel an, wir nutzen ausschließlich derart Nachhaltigkeitsinformationen, die uns Auskunft über Risikominderung oder verbesserte Renditerisikoprofile gewähren, werden normativ- ethische Ansprüche tendenziell nicht ausreichend berücksichtigt und umgekehrt. Das mündige Subjekt, der Rahmengeber und alle Akteure des Finanzmarktes haben also die Möglichkeit, Ansätze zu entwickeln, die das bestmögliche Interpretationsschema für effiziente Allokationsentscheidungen und die Erreichung von sozial-ökologischer Stabilisierung erlauben.

Innovationen

Wirkungsmessung

Konzept und Methodik der GLS Wirkungsmessung

Die GLS Bank ist als sozial-ökologische Bank zugleich gesellschaftliche Mitgestalterin. Wie wir unsere Wirkung verstehen, uns für den Wandel einsetzen und in welchen Logiken und Modellen wir denken erfahren Sie im folgenden Methodikkapitel.

Um das Transparenzversprechen der GLS Bank zu erweitern, implementieren wir die GLS Wirkungsmessung und Wirkungstransparenz für die verschiedenen Bereiche im Kerngeschäft der Bank, insbesondere das Kreditgeschäft und unser Engagement an den Kapitalmärkten. Um unsere Wirkung gemeinsam denken, verstehen und stärken zu können, orientieren wir uns an bestehenden Konzepten und Ansätzen der Wirkungsmessung. Damit schlagen wir die Brücke zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Praxistauglichkeit.

Ein gemeinsames Wirkungsverständnis

Unter Wirkung verstehen wir grundsätzlich ein bewirktes Ergebnis oder eine Veränderung eines Zustandes, resultierend aus einer intendierten oder nicht-intendierten Kraft, Intervention oder sonstiger Beeinflussung. Hinzu kommt, dass Wirkung ganz unterschiedliche Facetten und Dimensionen aufweisen kann. Dazu zählen u.a. die zeitliche Perspektive (kurzfristige vs. langfristige Wirkung), die Intention (geplante vs. ungeplante Wirkung), die Wertigkeit (erwünschte vs. unerwünschte Wirkung) sowie der Betrachtungsrahmen (etwa individuelle vs. gemeinsame Wirkung). Neben dieser Mehrdimensionalität der Wirkung lässt sich festhalten, dass Wirkung kein statisches Phänomen ist, sondern vielmehr als (anhaltender) Prozess verstanden werden kann. Zudem findet eine sozial-ökologische Wirkung, wie wir sie verstehen, nicht isoliert statt, sondern ist immer in einen Kontext eingebettet.

Wirkung messen: Zwei Konzepte

Um die Komplexität des Begriffs Wirkung zu reduzieren und gleichzeitig in eine operative Wirkungsmessung und -transparenz überzugehen, verwenden wir zwei komplementäre Konzepte aus dem wissenschaftlichen Diskurs zur Wirkungsmessung im sozialen und non-profit Bereich: die so genannte Theory of Change (ToC) und das Logikmodell Input, Output, Outcome, Impact (IOOI).

Diese Modelle und wie wir sie in unserer Wirkungsmessung anwenden,
erfahren Sie hier.

Die Theory of Change

Die Theory of Change, also die Theorie (bzw. Theorien) der Veränderung, zeichnet das große Ganze, worauf hingewirkt werden soll, welches Verständnis von Wirkung vorherrscht, welche Werte und Annahmen über die Welt vorliegen, welche großen Ziele erreicht werden sollen und wie der Fahrplan auf dem Weg dorthin aussehen könnte. Vereinfacht gesagt versorgt uns die Theory of Change mit dem nötigen methodischen Werkzeugkasten und offenen Diskursräumen, um gemeinschaftlich die langfristigen Ziele unserer Wirkung vorzudenken, über Werte, Annahmen und Utopien zu sprechen und zu streiten sowie kausale Zusammenhänge zwischen Beeinflussungen und projizierter Zielwirkung zu entdecken und zu verstehen. Diese Freiräume zum gemeinschaftlichen Denken bilden die Grundlage, um anschließend geeignete Möglichkeiten der Beeinflussbarkeit von Wirkung erkennen und lenken zu können. Dabei ermöglicht der Ansatz der Theory of Change, zielgerichtet die Stellschrauben, Interventionsmöglichkeiten und Bedingungen abzuleiten, die genutzt werden bzw. gegeben sein müssen, um eine erwünschte Wirkung zu erreichen. Darüber hinaus werden bei dieser Methodik übergeordnete Indikatoren bzw. Zielbilder erarbeitet und in ein Narrativ eingebettet.

Ganz konkret mündet die Theory of Change in den eingeführten GLS Zukunftsbildern, die gemeinschaftlich und diskursiv erarbeitet wurden und vordenken, auf welche Zukunft wir hinwirken möchten. In enger Anlehnung an die Methodik der ToC umfassen unsere Zukunftsbilder jeweils die identifizierte gesellschaftliche Herausforderung, unser Werteverständnis und Annahmen über die Welt, die Zielgruppen, die Wirkung erfahren sollen sowie unsere Vision bzw. Vorstellung einer Zukunft, die wir wollen. Zusätzlich haben wir für jedes Zukunftsbild fünf übergeordnete Indikatoren definiert, die die Zukunft abstecken. Wir sprechen hierbei von so genannten Qualitäten, die die Zukunft aufweisen soll. Dabei haben wir für unsere sechs Branchen und das jeweilige Zukunftsbild insgesamt 30 Qualitäten bzw. übergeordnete Ziele, erarbeitet.

Theory of Change in der Praxis

Diese abstrakte Herangehensweise wird am Beispiel der Branche Wohnen deutlich: Durch die Theory of Change konnten wir unsere Werte und Annahmen explizit festhalten, etwa, dass Wohnen ein Grundbedürfnis darstellt und essenziell ist für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jedoch sehen wir vielfältige gesellschaftliche Herausforderungen, die im Kontext Wohnen vorherrschen, etwa Gentrifizierung, die zunehmende Trennung von Arm und Reich in verschiedene Wohngegenden sowie unterschiedliche Lebensqualitäten und Zugang zu bezahlbarem Wohnraum in der Stadt und auf dem Land. Als Zielgruppe stehen die Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Wohn- und Lebens-Bedürfnissen in unserem Fokus. Als übergeordnete Indikatoren haben wir u.a. die Qualitäten bezahlbarer Wohnraum, soziale Vielfalt und nachhaltiges Bauen definiert. Diese tiefergehende Auseinandersetzung erlaubt es uns, die geeigneten Interventionsmöglichkeiten und erforderlichen Bedingungen zu identifizieren, um unser Zukunftsbild bestmöglich zu erreichen. Anders formuliert können wir durch die konzeptionellen und diskursiven Vorüberlegungen im Theory of Change Prozess, den Kompass einnorden und das Wertefundament aufbauen, um die Wirkungsmessung in ein operationalisierbares Instrument zu überführen.

Die Input, Output, Outcome, Impact (IOOI) Logik

Genau an dieser Stelle setzt die Input, Output, Outcome, Impact Logik an. Sie bietet uns einen logischen Rahmen, um den Veränderungs- bzw. Wirkungsprozess, auf der operationalen Ebene besser zu verstehen, messbar zu machen und zu beeinflussen. Während die Theory of Change also das große Ganze in den Blick nimmt, fokussiert sich das IOOI Modell auf spezifische Wirkungsketten als Einzelkomponenten, um letztlich die großen Zielvorstellungen zu erreichen. Basierend auf den Grundüberlegungen, die zuvor im ToC Prozess erarbeitet wurden, sorgt das IOOI Modell dafür, dass auf einer sehr feingranularen Ebene Indikatoren bestimmt und strukturiert werden. Zugleich beleuchtet das IOOI Modell kausale Zusammenhänge, die Wirkung generieren bzw. verhindern und hilft uns zu verstehen, welche Ressourcen und Leistungen auf eine mögliche Wirkung einzahlen. Wir sprechen dabei von einer Methode der Wirkungslogik.

Konkret werden dabei die nachfolgenden Komponenten betrachtet: Unter Input werden die eingesetzten Ressourcen verstanden, die in die Wirkungskette eingebracht werden. Dabei kann es sich um materielle Ressourcen (Geldmittel, Arbeitsstunden, Werkzeuge) und immaterielle Ressourcen (Netzwerke, Wissen und Fähigkeiten) handeln. Diese Ressourcen bilden die Grundlage für den möglichen Output innerhalb der Wirkungskette. Als Output können alle Interventionen und Maßnahmen verstanden werden, die auf eine Wirkungsänderung einzahlen. Dabei handelt es sich z.B. um die Anzahl von durchgeführten Schulungen, die Schaffung von Schulplätzen, den Ausbau von Wohnflächen, die Errichtung von Windrädern, usw. Diese facettenreichen Interventionen können zu einer unmittelbaren Veränderung führen. In diesem Fall sprechen wir vom so genannten Outcome. Dabei handelt es sich um erkennbare Wirkungen auf bspw. Verhalten, Wissensstand oder Einstellung. Das letzte Glied der Wirkungskette bildet der Impact, also jene langfristige und umfassende Wirkung, die gesellschaftlich verzeichnet wird und über die eigentliche Zielgruppe hinaus zu erkennen ist. Gemäß dem IOOI Modell sprechen wir immer dann von Wirkung, wenn eine geplante Intervention (Output) eine erkennbare Veränderung bei Outcome und Impact erzielt.

Bei der GLS Wirkungsmessung haben wir auf der operativen Ebene das IOOI Modell stets vor Augen. Dabei betrachten wir aktuell insbesondere die „Kettenglieder“ Output, also die messbaren und nachweisbaren Interventionen sowie den Outcome, also unsere Zielbilder und Qualitäten innerhalb des jeweiligen Zukunftsbildes (siehe unten zu ‚Proxy-Indikatoren‘). Für unsere sechs Branchen mit ihren jeweiligen Branchensegmenten haben wir etwa 200 Output-Indikatoren erarbeitet. Die eingesetzten Ressourcen betrachten wir zum jetzigen Stand lediglich aus einer ökonomischen Betrachtungsbrille, etwa indem wir im Kreditgeschäft konkret nachvollziehen können, welche Kreditvolumina in jeder Branche vergeben werden. Mittelfristig möchten wir die eingesetzten Ressourcen noch viel stärker aus einer holistischen, nicht-monetären Brille, betrachten und gemeinsam mit unseren Partner*innen auch hier in eine Diskussion über Wirkung einsteigen. Gleiches gilt für den Aspekt des langfristigen gesellschaftlichen Impacts. Hier stehen wir gerade in den Startlöchern und möchten Wege aufzeichnen, um unsere langfristige und umfassende Wirkung besser zu verstehen und darüber in den Austausch zu treten.

Bereits jetzt schafft das IOOI Modell – auf der Ebene der Output-Indikatoren – die konzeptionelle Grundlage, um Output-Indikatoren zielgerichtet zu entwickeln und zu verwenden. Wir sind überzeugt davon, dass Output-Indikatoren (ganz analog zur Wirkung generell) mehrere Dimensionen aufweisen können. Deshalb weisen die von uns verwendeten Indikatoren verschiedenen Dimensionen bzw. Tiefen auf. Wir unterscheiden dabei zwischen dem blanken Indikator an sich, der zugrundeliegenden Qualität, die der Indikator abbildet, sowie den Kontext, in den der Indikator eingebettet ist. Dies wird am Beispiel der Branche Wohnen deutlich: Wir erfassen hier bspw. die m² der Wohnfläche (Rohindikator), die durchschnittliche Miete je m² (Qualitätsfaktor) und setzen diese in Vergleich zum Mietspiegel (Kontextfaktor). Zusätzlich beleuchten wir weitere Qualitäten der Wohnfläche, etwa hinsichtlich der Mitbestimmungsrechte, der Vielfalt im Quartier und des Mieter*innenschutzes. Diese Mehrdimensionalität eröffnet uns dabei erneut die Möglichkeit, mit unseren internen und externen Anspruchsgruppen in Gespräche über Wirkung einzusteigen.

Proxy-Indikatoren

Die so genutzten mehrdimensionalen Indikatoren helfen uns dabei, die einzelnen Aspekte und Vorrausetzungen von gesellschaftlicher Wirkung in Bezug auf unsere Zukunftsbilder zu analysieren und zu diskutieren. Wir sprechen hierbei von Proxy-Indikatoren, denen wir eine Hebelwirkung auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse unterstellen. Mit Bezug zum oben genannten Beispiel aus der Branche Wohnen würde dies vereinfacht gesagt bedeuten, dass wir dem Indikator der ‚durchschnittlichen Miete je m²‘ eine Hebelwirkung auf die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum unterstellen. Setzt man diesen Indikator mittels des Kontextfaktors in Vergleich zum Mietspiegel des jeweiligen Quartiers/Stadtteils, können wir abschätzen, inwiefern ein entsprechendes Wohnprojekt zur Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum im Stande ist. 

Bei der Erstprüfung dieses Indikators haben wir auswerten können, dass unsere finanzierten Wohnimmobilien einen durchschnittlich 12 Prozent niedrigeren Mietpreis je m² im Vergleich zum Mietspiegel des jeweiligen Quartiers aufweisen. Dies allein reicht zwar noch nicht zur eindeutigen Ableitung eines Beitrags zu bezahlbarem Wohnraum aus, ist aber ein erster wichtiger Proxy-Indikator für die Erfassung dieses Beitrags. Ergänzt man diese Erkenntnis um Indikatoren, die Hebelwirkung in Bezug auf nachhaltiges Bauen, Mitbestimmungsrechte, der Vielfalt im Quartier und des Mieter*innenschutzes ausdrücken, nähert man sich schrittweise dem Nachweis einer Wirkung auf gesellschaftliche Zukunftsbilder.

Nicht immer sollen die Indikatoren nur eine Hebelwirkung entfalten können. In einigen Fällen nutzen wir Indikatoren auch, um einen gewissen Diskurs durch empirische Daten zu untermauern. Dadurch stärken wir unser Verständnis einer Herausforderung, dessen Daten, Fakten und Bedingungen und vor allem den notwendigen Stellschrauben für Lösungsansätze. Zusammengefasst wird dies unter dem Begriff „System-change Stories“ (Geschichten des Systemwandels).

Transparenz & Reflektion

Die Ergebnisse unserer Wirkungsmessung machen wir allen Kund*innen, Mitglieder*innen und Interessierten transparent. Unser Ziel ist es, den Menschen der GLS Gemeinschaft offen zu legen, wie wir gemeinschaftlich Geld als sozial-ökologisches Gestaltungsmittel einsetzen können. Dabei wollen wir eine möglichst hohe Alltagsrelevanz erreichen. Dies bedeutet, dass wir unsere Wirkungstransparenz bei den alltäglichen Kaufentscheidungen unserer Kund*innen (Kaufgeld), dem Sparen & Investieren (Leihgeld) und der Spendentätigkeit (Schenkgeld) sichtbar machen und damit mündige Entscheidungen unterstützen wollen. Dies geschieht dann sowohl auf Ebene der individuellen Kund*innen mittels Informationen zur persönlichen Wirkung, als auch auf Ebene der GLS Gemeinschaft zur gemeinsamen Wirkung. So entstehen gemeinsames Bewusstsein, Verständnis und Gestaltungskraft für einen sozial-ökologischen Wandel.

Die Ergebnisse dienen aber ebenso zur kritischen Reflektion unseres eigenen Handelns als GLS Bank. Erreichen wir positive gesellschaftliche Wirkung? Werden wir unserem Auftrag des Einsatzes von Geld als gesellschaftlichem Gestaltungsmittel gerecht? Können wir unsere Kund*innen in ihrer Wirkung stärken? Welche Aspekte unserer Arbeit oder der allgemeinen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen wir verbessern? Die gemeinsame Diskussion, der Blick auf die eigene und die gemeinschaftliche Wirkung ermöglicht ko-kreative Prozesse und Veränderungen.

Die Inhalte der Wirkungstransparenz werden somit stetig weiterentwickelt, da sich Rahmenbedingungen, Bedürfnisse und Erkenntnisse ändern und wir laufend neue Lösungsansätze entwickeln müssen und wollen. Gestalten Sie mit, für eine Zukunft, die wir wollen!

Weitere Details zu unserer Methode der Wirkungstransparenz veröffentlichen wir künftig fortlaufend über das Blog, die GLS Bank Website, den Bankspiegel und unseren Nachhaltigkeitsbericht. 

Bei Interesse an einem Austausch schreiben Sie uns an unter wirkungstransparenz@gls.de. Wir freuen uns auf Ihre Perspektiven.

GRI-Verweise:

→ GRI 102-29